CBD für Kinder – was Eltern in der Schweiz wissen müssen
- 28. Juli
- 6 Min. Lesezeit

Frei verkäufliche CBD-Produkte sind in der Schweiz nicht für Kinder und Jugendliche bestimmt. Die einzige zugelassene Anwendung von Cannabidiol bei Kindern ist das verschreibungspflichtige Arzneimittel Epidyolex bei zwei seltenen Epilepsieformen – verordnet und begleitet durch eine Fachärztin oder einen Facharzt.
Dieser Beitrag beantwortet die Fragen, die Eltern zu diesem Thema stellen: was rechtlich gilt, was medizinisch zugelassen ist, warum bei Kindern andere Massstäbe gelten und was zu tun ist, wenn ein Kind versehentlich ein CBD-Produkt erwischt hat. Er enthält bewusst keine Produktempfehlungen.
Die kurze Antwort
Frage | Antwort |
Darf ich meinem Kind CBD Öl geben? | Nein – nicht ohne ärztliche Verordnung |
Gibt es zugelassenes CBD für Kinder? | Ja, ein einziges: Epidyolex, verschreibungspflichtig, ab 2 Jahren |
Wofür ist es zugelassen? | Nur für Dravet-Syndrom und Lennox-Gastaut-Syndrom, zwei seltene Epilepsieformen |
Ist das dasselbe wie CBD Öl aus dem Shop? | Nein. Anderes Produkt, andere Konzentration, andere Kontrolle |
Ab welchem Alter sind CBD-Produkte erlaubt? | Frei verkäufliche Produkte werden ab 18 Jahren abgegeben |
Hilft CBD bei ADHS, Autismus oder Schlafproblemen von Kindern? | Dafür gibt es keine Zulassung und keine belastbare Evidenz. Diese Fragen gehören in die Kinderarztpraxis |
Was in der Schweiz rechtlich gilt
CBD-Produkte werden in der Schweiz in zwei völlig getrennten Kategorien gehandelt. Diese Unterscheidung ist der Kern des ganzen Themas.
Arzneimittel | Frei verkäufliches Produkt | |
Beispiel | Epidyolex | CBD Öl, Blüten, Kosmetik im Handel |
Zulassung | Von Swissmedic geprüft und zugelassen | Keine arzneimittelrechtliche Zulassung |
Abgabe | Nur auf ärztliches Rezept | Frei, in der Praxis ab 18 Jahren |
Wirkstoffgehalt | Exakt definiert, chargengeprüft | Variiert je nach Produkt und Hersteller |
Begleitung | Ärztliche Kontrolle, Blutwerte, Dosisanpassung | Keine |
Für Kinder | In definierter Indikation ab 2 Jahren | Nicht bestimmt |
Zu den allgemeinen Altersregeln beim Kauf gibt es den Beitrag Altersbeschränkung für CBD in der Schweiz, zum rechtlichen Rahmen insgesamt den Beitrag CBD legal in der Schweiz.
Epidyolex – die einzige zugelassene Anwendung bei Kindern
Seit 2021 ist in der Schweiz ein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Cannabidiol zugelassen. Es heisst Epidyolex und ist eine Lösung zum Einnehmen.
Merkmal | Angabe |
Wirkstoff | Cannabidiol |
Zugelassen seit | 2021 in der Schweiz |
Indikation | Zusatztherapie bei Krampfanfällen bei Dravet-Syndrom und Lennox-Gastaut-Syndrom |
Alter | Ab 2 Jahren |
Abgabe | Verschreibungspflichtig |
Anwendung | Immer in Kombination mit anderen Epilepsie-Arzneimitteln, nie allein |
Zulassungsgrundlage | Vier randomisierte kontrollierte Studien mit 456 behandelten Patientinnen und Patienten |
Dosierung in den Studien | 10 oder 20 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag |
Zwei Punkte daran sind für Eltern entscheidend. Erstens: Die Zulassung gilt für zwei seltene, schwere Epilepsieformen – nicht für Schlafprobleme, Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten oder andere Alltagsthemen. Zweitens: Die in den Studien eingesetzten Mengen liegen um ein Vielfaches über dem, was in frei verkäuflichen Produkten enthalten ist, und wurden unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle verabreicht.
Die Schweizerische Epilepsie-Liga weist zudem darauf hin, dass auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen hat – unter anderem Schläfrigkeit, Appetitverlust und Durchfall, gelegentlich sogar eine Zunahme von Krampfanfällen – und mit anderen Medikamenten wechselwirken kann.
Warum ein Produkt aus dem Handel etwas anderes ist
Der häufigste Denkfehler lautet: Wenn CBD als Medikament für Kinder zugelassen ist, kann ein CBD Öl aus dem Handel nicht schaden. Das stimmt aus mehreren Gründen nicht.
● Ein Arzneimittel hat einen exakt definierten, geprüften Wirkstoffgehalt. Bei frei verkäuflichen Produkten schwankt der Gehalt je nach Hersteller und Charge.
● Frei verkäufliche Vollspektrum-Produkte enthalten geringe Mengen THC. Für Erwachsene ist das unter der gesetzlichen Grenze unproblematisch, für ein Kind ist es eine unnötige Belastung.
● Zur Verordnung gehört die Kontrolle: Blutwerte, Dosisanpassung, Beobachtung der Wechselwirkungen. Beim Selbstversuch zu Hause fehlt das alles.
● Ein Kind ist kein kleiner Erwachsener. Verteilung, Abbau und Ausscheidung von Substanzen verlaufen anders, und der Massstab lässt sich nicht einfach über das Körpergewicht herunterrechnen.
Zum Unterschied zwischen den beiden Cannabinoiden gibt es den Beitrag Unterschied zwischen THC und CBD.
Warum bei Kindern besondere Vorsicht gilt
Das Endocannabinoid-System ist an der Entwicklung des Nervensystems beteiligt. Es steuert unter anderem, wie Nervenzellen sich vernetzen und wie diese Verbindungen im Verlauf der Kindheit und Jugend geformt werden. Diese Reifung dauert bis ins junge Erwachsenenalter an.
Was ein Eingriff in dieses System während der Entwicklungsphase langfristig bewirkt, ist nicht ausreichend untersucht. Genau das ist der Grund für die zurückhaltende Regulierung: nicht ein nachgewiesener Schaden, sondern das Fehlen von Sicherheitsdaten bei einem besonders schützenswerten Personenkreis.
Dieselbe Logik gilt in der Schwangerschaft und Stillzeit. Auch dort fehlen Daten, und auch dort lautet die Empfehlung, auf die Anwendung zu verzichten.
Dazu gibt es den Beitrag CBD in der Schwangerschaft.
Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Die bei Erwachsenen dokumentierten Nebenwirkungen von Cannabidiol – Müdigkeit, Durchfall, Appetitveränderung – treten auch in den Kinderstudien auf. Der praktisch kritischere Punkt sind jedoch die Wechselwirkungen.
CBD hemmt bestimmte Leberenzyme, über die viele Arzneimittel abgebaut werden. Bei einem Kind, das bereits Medikamente erhält, kann dadurch der Wirkstoffspiegel dieser Medikamente steigen. Das ist einer der Hauptgründe, warum die Anwendung bei Kindern in ärztliche Hand gehört.
Die Zusammenhänge stehen im Beitrag zu CBD Wechselwirkungen mit Medikamenten, die allgemeine Übersicht im Beitrag zu CBD Nebenwirkungen.
Was Eltern stattdessen tun können
Wer nach CBD für ein Kind sucht, hat in der Regel ein konkretes Anliegen. Für jedes davon gibt es eine passendere Anlaufstelle.
Anliegen | Richtige Anlaufstelle | Warum |
Schlafprobleme | Kinderarztpraxis | Ursachen sind vielfältig und meist ohne Medikament lösbar |
Unruhe, Konzentration | Kinderarztpraxis, Schulpsychologischer Dienst | Abklärung vor Behandlung, es gibt etablierte Wege |
Chronische Schmerzen | Kinderarztpraxis, spezialisierte Sprechstunde | Ursache muss geklärt sein |
Epilepsie | Pädiatrische Neurologie | Nur dort kann Epidyolex verordnet und überwacht werden |
Ängste, Belastung | Kinder- und Jugendpsychiatrie, Schulsozialarbeit | Gesprächsangebote wirken hier besser als Substanzen |
Hautprobleme | Dermatologische Praxis | Abklärung der Ursache statt Symptombehandlung |
Wichtig ist dabei: Wenn ein Kind bereits ein CBD-Produkt erhalten hat, gehört das im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt offen angesprochen. Das ist keine Schuldfrage, sondern relevant für Wechselwirkungen und für die Einordnung von Beobachtungen.
Wenn ein Kind versehentlich ein CBD-Produkt erwischt hat
Das kommt vor – vor allem bei Produkten, die für Kinder attraktiv aussehen, etwa Gummibärchen oder aromatisierte Öle. In diesem Fall gilt:
Schritt | Was zu tun ist | Hinweis |
1 | Ruhe bewahren, Produkt sicherstellen | Verpackung und Etikett werden für die Beratung gebraucht |
2 | Tox Info Suisse anrufen: 145 | Rund um die Uhr erreichbar, kostenlos, aus dem In- und Ausland +41 44 251 51 51 |
3 | Menge und Zeitpunkt notieren | Beides wird als Erstes gefragt |
4 | Kein Erbrechen auslösen | Ohne fachliche Anweisung nie eigenmächtig |
5 | Kind beobachten | Bei Bewusstseinstrübung, Atemproblemen oder Krampf: Notruf 144 |
Vorbeugend gilt derselbe Grundsatz wie bei Medikamenten und Reinigungsmitteln: ausser Reichweite und in der Originalverpackung aufbewahren. Zur richtigen Lagerung gibt es den Beitrag zum Lagern von CBD Produkten.
Unsere Haltung
Wir verkaufen CBD-Produkte an Erwachsene. Unser Sortiment ist nicht für Kinder und Jugendliche bestimmt, und wir geben dazu keine Anwendungsempfehlungen für Minderjährige ab – auch nicht auf Nachfrage.
Dieser Beitrag existiert, weil Eltern zu diesem Thema suchen und dabei auf Angebote stossen, die weniger zurückhaltend sind. Sachliche Information ist in diesem Fall der bessere Beitrag als Schweigen.
Dieser Artikel dient der Information über den rechtlichen und medizinischen Stand. Er stellt keine medizinische Empfehlung dar und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Häufige Fragen
Darf ich meinem Kind CBD Öl geben?
Frei verkäufliche CBD-Produkte sind nicht für Kinder bestimmt und sollten ohne ärztliche Verordnung nicht an Minderjährige verabreicht werden. Die einzige zugelassene Anwendung bei Kindern ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel für zwei seltene Epilepsieformen.
Ab welchem Alter darf man CBD nehmen?
In der Schweiz werden frei verkäufliche CBD-Produkte ab 18 Jahren abgegeben. Eine Ausnahme besteht nur bei ärztlich verordneten Arzneimitteln.
Was ist Epidyolex?
Epidyolex ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel mit dem Wirkstoff Cannabidiol, das seit 2021 in der Schweiz zugelassen ist. Es wird ab zwei Jahren als Zusatztherapie bei Krampfanfällen im Rahmen des Dravet-Syndroms und des Lennox-Gastaut-Syndroms eingesetzt.
Hilft CBD Kindern bei ADHS?
Dafür gibt es keine Zulassung und keine belastbare wissenschaftliche Grundlage. Bei Verdacht auf ADHS ist die Abklärung in der Kinderarztpraxis der richtige Weg.
Ist CBD dasselbe wie Cannabis?
Cannabidiol ist einer von über hundert Inhaltsstoffen der Hanfpflanze und wirkt nicht berauschend. Das berauschende Cannabinoid ist THC. Beide stammen aus derselben Pflanze, sind aber unterschiedliche Substanzen mit unterschiedlicher rechtlicher Einordnung.
Mein Kind hat aus Versehen CBD Öl geschluckt – was tun?
Rufen Sie Tox Info Suisse unter 145 an. Die Beratung ist rund um die Uhr erreichbar und kostenlos. Halten Sie das Produkt bereit, damit Menge und Zusammensetzung geklärt werden können. Bei Bewusstseinstrübung, Atemproblemen oder Krampfanfall wählen Sie den Notruf 144.
Quellen
Swissmedic: Epidyolex, Lösung zum Einnehmen (Cannabidiolum) – Zulassungsinformation und Public Summary SwissPAR. swissmedic.ch
Schweizerische Epilepsie-Liga: Eignet sich Cannabis (Hanf) als Epilepsie-Medikament? epi.ch
Swissmedic: Produkte mit Cannabidiol (CBD) – Überblick und Vollzugshilfe.
Tox Info Suisse, Notfallnummer 145.
Iffland K., Grotenhermen F. (2017): An Update on Safety and Side Effects of Cannabidiol. Cannabis and Cannabinoid Research 2(1):139–154. DOI 10.1089/can.2016.0034
Weitere Beiträge zum Forschungsstand finden sich in unserer Übersicht zu CBD Studien.

